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Tasja Keetman | Contact

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New York, metropolis of the superlative, inspires all kinds of artists over and over again. The Big Apple has been innumerably painted, filmed, photographed and written about. Born in Munich, Tasja Keetman is showing her New York panoramas for the first time in an exhibition at the Munich Stock Exchange. Keetman’s photographs, HYMNS, are dynamic, powerful and positive, a declaration of love to the city that never sleeps. Modern images taken with a moving panoramic camera extract the essence of one of the great cities of the world in what constitutes Keetman's New York, beyond place and space. Her images of velocity dissolve the massiveness of concrete and stone rendering things more existing than ever possible with the sole image of reality. Within Keetman’s New York panoramas beats the heart of a city in the rhythm of the digital age releasing itself from fear, aggression, filth and menace, and launching itself into a future of pure energy. One of the highlights of this exhibition are Keetman’s interior photographs of the New York Stock Exchange. In them, the acceleration is pictured almost abstract and painterly. The New York Stock Exchange becomes the linchpin of a world of velocity without place -- global, virtual and condensed. Keetman conveys a futuristic vision of New York, angst-free, fascinating and open -- a gigantic space of possibilities which does not submit to any restraints.

 

Tasja Keetman is the first photographer in six years to be allowed to photograph on the trading floor of the New York Stock Exchange.  >>40045'N 74000'W<<  is her first large-scale solo exhibition in Germany. 

 

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ESSAY  |  DR TANJA WEINGäRTNER  |  deutsch

 

New York ist der Inbegriff der modernen Weltmetropole, der Urbanität, der Dichte. Die Stadt löst extreme Reaktionen aus: viele lieben sie, viele hassen sie, aber wenige stehen ihr gleichgültig gegenüber. Viele, die in New York einige Zeit gelebt haben, finden andere Städte danach langsam und langweilig, fühlen sich anderswo abgeschnitten vom Puls der Zeit. Wenn dieser Puls an irgendeinem Ort der Welt schlägt, ist es New York: hier liegt der Brennpunkt zeitgenössischer Kunst und Kultur, hier laufen die Fäden der internationalen Finanzwelt zusammen, hier wird weltumspannende Diplomatie betrieben. Und die Wahrzeichen der Stadt sind global geworden, die Stadt selbst repräsentiert den westlichen Lebensentwurf. Nicht umsonst hat Le Monde nach dem 11. September ausgerufen: "Wir sind alle New Yorker."

Kein anderes Merkmal kennzeichnet New York so wie die aufstrebende Vertikalität. Alles strebt nach oben, immer weiter. Menschen kommen hierher, wollen es schaffen, aufsteigen, weiterkommen, schneller und reicher werden. Und die Stadt lädt jeden dazu ein; nirgends sonst ist der amerikanische Traum so präsent. Das Leben findet im Jetzt und in der Zukunft statt, die Konzentration liegt auf dem Morgen, den Möglichkeiten und Herausforderungen der Zukunft. Dadurch gerät alles in Bewegung: die Dynamik und Schnelligkeit Manhattans ist unvergleichlich, die Dichte größer als in jeder anderen westlichen Stadt.


Über und zu New York gibt es viele Bilder, Filme, Romane, aber die Dichte und Dynamik der Stadt ist selten so brilliant eingefangen worden wie in Tasja Keetmans Panoramen. Ihre Bilder zeigen Straßen und Stadteindrücke; am hellichten Tag; in der Abenddämmerung mit blendenden Scheinwerfern; nachts, wenn nur noch die Fenster der Gebäude erleuchtet sind und man nur so ihre Größe erahnen kann. Die Straßenfluchten sind oft im Zentrum des Bilds; oft schweift der Blick nach oben, in Richtung Himmel. Menschen fehlen fast ganz; sie machen Fahrzeugen Platz. Häuser, Plakate, Fahnen, Menschen und Bewegungsspuren verschmelzen im engen Bildausschnitt der Großstadt zu einer dreidimensionalen Collage. Die unterschiedlichen Elemente mit ihren eigenen Rhythmen verbinden sich untrennbar zu einem photographischen Konzert. In ihm dominieren vertikale Streifen, Kanten und Fragmente, Spiegelungen im Glas, Reflexionen; der Bezug zu den Objekten verschwindet, fast werden die Bilder zur abstrakten Komposition.

Der Eindruck, den diese Photographien hinterlassen, ist unzweideutig. Nichts ist mehr zu spüren von der Angst vor dem Moloch, der Aggression und dem Dreck, die frühere Bilder der Großstadt und New Yorks beherrschen; nichts von der dauernden Bedrohung und Unsicherheit, wie wir sie aus Filmen wie Taxi Driver kennen. Francis Ford Coppolas Bild vom New York der 1970er Jahre war häßlich und pessimistisch. Keetman dagegen zeichnet die Stadt in schönen Farben. Am Anfang des 21. Jahrhunderts ist alles bunt und voller Lichter. In Keetmans Bildern wird New York zum Rausch, zum wunderschönen Rausch. Sie sind Hymnen auf das Heute und Morgen, keine Requien mehr.

Der Titel, "Hymnen", ist Programm: Keetmans vor Lebendigkeit brodelnde Bilder sind eine Liebeserklärung an die Stadt, eine Liebeserklärung wie eine Fanfare, aus voller Brust und mit strahlendem Lachen. Nichts anderes würde Keetmans Persönlichkeit entsprechen. Kaum jemand versprüht ähnliche Lebensfreude und Dynamik wie sie; kaum jemand scheint die Stadt und ihr Treiben ähnlich zu umarmen. Das Bild von ihr ist das einer jungen, urban gekleideten Frau, auf dem Fahrrad rasend, mit zentnerschweren Phototaschen auf den Schultern. Jeder andere würde ächzen, sie strahlt. Ihre Photographien wirken fast, als ob sie vom Fahrrad aus, durch Straßenschluchten rauschend, mit fahrender Kamera aufgenommen wären: so viel Bewegung ist in ihnen. Technisch sind sie hochkompliziert: mit einer bewegten Panoramakamera aufgenommen, mehrfachbelichtet, und im Computer überarbeitet. Am Ende bilden sie nicht so sehr die Stadt in ihrer mächtigen Materialität, ihrem Beton, ab als die Spannung und Energie der Straßen; die Stadt scheint aus Lichtfunken zu bestehen, die nur für einen Moment aufleuchten.

So lösen sich "Hymnen" von der Vergangenheit. Traditionell sind Photographien Bilder von Orten, Raumbilder. In Keetmans Bildern hingegen tritt der Raum zurück, Bewegung und Energie in den Vordergrund: sie sind Zeit-, ja: Geschwindigkeitsbilder. Damit bilden sie mehr von der Gegenwart ab, als es ein gegenständliches, ein "Abbild", könnte.

Sie reflektieren damit auch die Veränderung der temporalen Struktur unserer Gesellschaft, die mit der sozialen Durchsetzung neuer, digitaler Kommunikationstechnologien einhergeht. Heute spielt Raum eine immer geringere Rolle, Entfernungen sind in dem Maße geschrumpft, wie uns Telefon und Internet immer und überall mit dem Rest der Welt verbinden. Zeit wird der limitierende (und damit definierende) Faktor: wir erleben unsere Umwelt in Gigahertz und Kilobytes pro Sekunde. Beschleunigung wird zum Leitbegriff; Stillstand ist Rückschritt.

Auch dies verkörpert New York: es ist die Stadt, die niemals schläft. Und dies reflektieren Keetmans Bilder: sie sind mediale Repräsentationen von Zeit und Energie. Aus dem präzisen Blick auf die lärmende, flüchtige Geschwindigkeit entstehen Photos von Zeitlosigkeit, die eine Autonomie entwickeln, die sich von ihrer dokumentarischen Vergangenheit abzulösen scheint. So erzeugen diese Photographien einen ureigenen Klang, der seine Referenz eher in der Malerei als in der Photographie findet.

Ihren Höhepunkt erreichen diese Energie- und Geschwindigkeitsbilder in den Photographien der New Yorker Börse: hier verlässt Keetman den gegenständlichen Stadtraum und tritt ein in das gegenwärtige Zentrum der Weltbeschleunigung, den Dreh- und Angelpunkt der Welt. Die New York Stock Exchange ist ortlos: ihre Transaktionen waren immer schon imaginiert, nun sind sie global und ihre rasende Geschwindigkeit nur noch virtuell zu erreichen. In der Börse finden wir Dynamik und Beschleunigung in der denkbar kondensiertesten Form; hier wird jedes Zögern bestraft, Sekunden entscheiden über Milliardensummen.

In Keetmans Arbeiten zur Börse umfasst das horizontale Format der phantastisch großen Arbeiten die Betrachterin ganz - sie steht im Bild und ist vom Bild umgeben. Die Bewegung verläuft von links nach rechts und von hinten nach vorne; wie eine Straße strömen die grünen Pünktchen der Zahlen und Buchstaben an uns vorbei; eine Datenautobahn in grün und blau, mit der amerikanischen Flagge vage im Hintergrund. Die Welt des Geldes ist flüchtig und instabil, aber sie reißt mit und macht süchtig.

Aber ist diese Börse ein paradiesischer Endzustand? Oder eher die Apokalypse der Gegenwart? Geschwindigkeit und Beschleunigung sind in der Moderne immer auch auf Skepsis gestoßen - ihren Apologeten wie Marshall McLuhan oder Peter Weibel standen immer auch bedeutende Kritiker, etwa Paul Virilio, entgegen. Beschleunigung reißt Grenzen nieder, aber auch Traditionen, Kulturen, Halt für den Einzelnen. Der beschleunigte Mensch wird ortlos, kann nicht mehr innehalten, kritisches Zögern wird unmöglich, Widerstand zerfließt. Dies macht den Menschen manipulierbar, und so wird Geschwindigkeit in der negativen Vision Virilios zur "absoluten Macht".

Die Vision der "Hymnen" ist eine andere: sie ist futuristisch, hier gibt es weder Druck noch Stress, stattdessen viel Positivität und Weltbejahung. Sie feiert die Verdichtung und Beschleunigung aller Lebenszusammenhänge, die damit verbundene Energie. Tasja Keetman ist eins mit dem Strom ihrer Zeit; ihr Auge betrachtet ihn von innen, in all seiner faszinierenden, schwindelerregenden Schönheit.
 

 

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EXHIbitIonS

 

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Bursar Munchen/Munich Stock Exchange

Lenbachplatz 2a, 80333 Munich Germany

12 Nov 2003 - 31 Aug 2004

 

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Published by Bursar Munchen/Munich Stock Exchange

Nov 2003

 

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